Der Tepco-Effekt

Der Tepco-Effekt

The Cynical No. 1

Wenn sich ein Staat zur Geisel von Unternehmen macht

von Daniel Kalz

Fukushima und zwei Länder. Und eine Katastrophe. Japan und Deutschland. Und zwei Ausgänge. In einem Land sollte die Katastrophe zur Wende führen – der Atomwende. Der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg aus dem Atom. In dem anderem ändert sich eigentlich nichts. Oder fast nichts. Denn ein Premierminister und sein Vize treten zurück.

Aber wieso das eigentlich? Was haben die Staatsoberhäupter mit der Atomkatastrophe zu tun gehabt? War nicht ein Tsunami der Auslöser der größten Atomkatastrophe in der gesamten Geschichte? Und schließlich konnten sie nicht für diesen zur Verantwortung gezogen werden. Das kann es also nicht gewesen sein.

Aber sie haben sich mit einer anderen Gewalt angelegt, deren Opfer sie wurden. Nämlich mit der Macht von dem Betreiber von Fukushima TEPCO und der japanischen Atomlobby. Nachdem der Premier das Krisenmanagement von TEPCO kritisierte, schlugen diese mit einer Schmutzkampagne zurück, die zu dem Rücktritt der Staatsoberhäupter führte. Offensichtlich ist die japanische Atomlobby so stark, dass sie den japanischen Staat als Geisel nehmen konnte. Und bis zu diesem Tag hat sich das Krisenmanagement von TEPCO nicht verbessert. Und niemand nimmt das wahr.

© Tomasz Pacyna | Dreamstime

 

Das alles kann in der ZDF-Dokumentation „Die Fukushima-Lüge“ (Link) angesehen werden.

 

 

 

 

 

 

Was hat das aber jetzt alles mit Deutschland zu tun?

Der Ausgang der Fukushima-Krise war in Deutschland ein anderer; wie wir wissen. Jedoch gibt es parallelen zu Japan in anderem Zusammenhang. In Krisenzeiten zeigt sich, was wirklich zählt. Und es kam zu einer Krise unerwarteter Art. In den Vereinigten Staaten wurde entdeckt, dass der Autokonzern VW massiv bei dem Abgasausstoß betrog. Es kam zu dem Diesel-Skandal als dem größten Skandal der Automobilgeschichte. Es folgten in den USA Ermittlungen, Verhaftungen und Prozesse. Und in Deutschland? Da änderte sich eigentlich nichts. Es gab nur eine Selbstverpflichtung der Automobilindustrie die Stickoxide in recht mickrigen Umfang durch ein Software-Update zu reduzieren.

© Butenbremer1965 | Dreamstime

Die Bundesrepublik als Geisel der Automobilindustrie

Es ist schon bemerkenswert, dass Frau Merkel, die sonst für ihre stoische Ruhe bekannt ist, bei dem Dieselskandal Worte wie „verärgert“ und „sehr enttäuscht“ fallen lies. Aber sonst? Sonst nichts. Sie blieb dem Autogipfel fern. Es gab keinerlei Konsequenzen. Die lächerliche  Selbstverpflichtung der Industrie sollte offenbar genügen. Die Macht der Automobilindustrie scheint zu stark, um sich mit ihr anzulegen. Sie beschäftigt Hunderttausende und macht Milliarden Umsatz. Offenbar zu viel um sich mit ihr anzulegen. Und so macht sich hierzulande der Staat zur Geisel der Wirtschaft. Und das ist der Tepco-Effekt.

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